Was ist eine Karmelitin?
Eine Karmelitin ist eine kontemplative Ordensfrau, die sich durch öffentliches Versprechen, die so genannte Profeß, für immer an Gott im Orden der Seligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel gebunden hat. Jede Schwester weiß sich von Gott zu einem Leben in der betenden Nachfolge Jesu in unsere Gemeinschaft gerufen und möchte ihm durch ihr Leben auf diesen Ruf antworten.









1. Leben in Freundschaft mit Gott

In der Nachfolge Christi " der auf dem Berg in Beschauung weilte (Vgl. Mt 17,1ff.) und dessen Leben vom vertrauensvollen Umgang mit dem Vater beseelt war, wissen wir uns hineingenommen in diese Beziehung Jesu zum Vater. Diese findet ihren lebendigen Ausdruck im betenden Dasein vor Gott, welches die eigene Existenz ganz Gebet werden läßt. Dieses Gebet kann verschiedene Ausdrucksformen annehmen:
- das liturgische Gebet, das so genannte Stundengebet, das die Karmelitin weltweit mit der ganzen Kirche vollzieht.
- das persönliche innere Gebet, die so genannte Betrachtung, die den eigentlichen Schwerpunkt des Tages ausmacht, und der zwei Stunden gewidmet sind, eine am Morgen, eine am Nachmittag.
Die Tagesstruktur, durch die die Schwester immer wieder zum Gebet gerufen wird, erinnert sie beständig daran, ihrer Sehnsucht zu folgen, "Tag und Nacht im Gesetz des Herrn zu betrachen und im Gebet zu wachen (Vgl. RCarm 6; Ps 1,2; Jos 1,8; 1 Petr 4,7)" - in der GEGEWART GOTTES zu leben und von hier aus ihr Leben zu gestalten und gestalten zu lassen.























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Laudes, Terz
Frühstück
Betrachtung (inneres Gebet)
Hl. Messe
Arbeitszeit
Sext, Non, Gewissenserforschung
Mittagessen
Ruhe
Lectio Divina
Arbeitszeit
Betrachtung
Vesper
Abendessen
Rekreation
Komplet
Zellenzeit
Matutin
Nachtruhe







2. Leben in liebender Aufmerksamkeit - Schweigen

"In Stille und Vertrauen ruht eure Kraft! (Jes 30,15)"






Das Leben in der Gegenwart Gottes ist eine Schule liebender Aufmerksamkeit auf das Wort Gottes, auf das leise, oft kaum vernehmbare Säusel (Vgl. 1 Kön 19,12). Lauschen auf Gottes Wort, Hören und Horchen bedürfen einer Atmosphäre der Stille und des Schweigens. Die äußere Stille offenbart die Unruhe des Herzens und lädt ein, im Schweigen des Herzens und der eigenen Gedanken - im eigenen Inneren "Gott zu begegnen". Daher soll nur das nötigste gesprochen werden, außer zur Erholungszeit, die dem gegenseitigen Austausch und der eigenen Entspannung dient. Eine besondere Zeit des Schweigens ist das so genannte "Große Stillschweigen", das nach der Komplet beginnt und bis zur Terz des folgenden Tages andauert.





















3. Leben in Einsamkeit und in Gemeinschaft

Unser Leben vollzieht sich zwischen zwei Polen: dem Leben in Einsamkeit und in Gemeinschaft. Als Teresa von Avila den Orden der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel reformierte, war es ihr großes Anliegen, zu den Wurzeln der Spiritualität unseres Ordens zurückzukehren. Sie betonte mehrfach, die Schwestern sollten Einsiedlerinnen sein (Vgl. C 11,4). Es solle daher in jedem Kloster Einsiedeleien geben, in die sich die Schwestern zeitweise zurückziehen sollten (Vgl. Konst. 1567,32).










Dieser eremitische Charakter unserer Lebensweise kommt vornehmlich auch darin zum Ausdruck, daß jede Schwester eine eigene Zelle hat (Vgl. RCarm 3). In ihr soll sie sich aufhalten, wenn sie nicht mit Aufgaben beschäftigt ist, die sie an einen anderen Ort rufen. Die Zelle ist der Ort, an dem die Schwester mit Gott allein ist, den keine andere Mitschwester betritt. Es ist ein Ort der Einsamkeit - ein Raum der Konfrontation mit sich, den eigenen Grenzen , eine Schule des Bleibens, des Bleibens am Ort , in der je eigenen Situation, des Bleibens im Wort Gottes, des Bleibens in IHM.












Neben dem eremitischen Element ist die Schwester aber auch in eine ganz konkrete Gemeinschaft gerufen - mit allen Verpflichtungen, die sich für das Alltagsleben daraus ergeben. Die Gemeinschaft trifft sich zum Chorgebet, zu den Mahlzeiten, zum Kapitel und zur gemeinsamen Erholung am Abend. Diese soll gemäß dem Wunsch unserer hl. Mutter Teresa von Geschwisterlichkeit gekennzeichnet sein; sie wollte, daß alle Schwestern wie Freundinnen miteinander umgehen und sich in herzlicher Liebe verbunden sind (Vgl. V4,7). Band der schwesterlichen Einheit und der gegenseitigen Liebe ist die tägliche Feier der Eucharistie als Quelle und Höhepunkt des Gemeinschaftslebens.









4. Leben in Rhythmus von Gebet, lectio divina und Arbeit.

Kaum anderswo zeigt sich das Selbstverständinis einer Karmelitin deutlicher als bei der Arbeit. Dies ist für "Menschen von heute" vielleicht am Schwierigsten nachzuvollziehen. Alles in unserer Gesellschaft ist orientiert an den Werten der Leistung und des Erfolgs. Diese werden zunächst durch die Erziehung grundgelegt. Es bedarf daher eines langsamen "Umformungsprozesses", bis die Schwester gelernt hat, daß es nicht darauf ankommt, WAS man arbeitet, sondern "WIE". Die Karmelitin definiert sich nicht durch ihre Tätigkeit, sondern durch die darin zugrunde liegende Haltung: alles aus Liebe zu tun, alles für Christus zu tun, alles in Gottes Gegenwart zu verrichten.

"Denn der Herr schaut weniger auf die Größe der Werke als vielmehr auf die Liebe, mit der sie getan werden (Vgl. Teresa von Avila, VII M 4,15)."

Nichts desto weniger ist die Arbeit zum einen für unsere Existenzsiche-rung notwendig. Teresa wollte, daß die Schwestern ihren Lebensunter-halt durch eigene Arbeit erwerben können und gab ihnen sogar aus-
























drücklich die Anweisung, eine Arbeit, die zu wenig einbringt, nicht anzunehmen. Zum anderen ist sie Zeichen der Solidarität mit den Armen.
Um ein stetes Hineinwachsen in eine liebende Haltung zu ermöglichen, vollzieht sich der Tag in einem Rhythmus von Gebet, lectio divina und Arbeit.
Die lectio divina, die geistliche Lesung, ist eine alte monastische Übung. Durch das Lesen in der Hl. Schrift, durch das Studium der Kirchenväter und anderer geistlicher Literatur soll das geistliche Leben der Schwester Nahrung erhalten, sollen alle Seelenkräfte des Menschen auf Gott hin ausgerichtet werden, auch die Vernunft. Um eine ganzheitliche Ausrichtung auf Gott zu ermöglichen, ist es wichtig, daß der lectio divina genügend Raum gegeben wird. Die Arbeitsbereiche in unserem Kloster sind sehr vielfältig und man achtet heute darauf, die Schwestern auch entsprechend ihren Begabungen einzusetzen, so weit das möglich ist. Neben den anfallenden häuslichen Arbeiten verdienen wir unseren Lebensunterhalt mit dem Betreiben einer Hostienbäckerei, mit einem Buchversand, einer Kerzenwerkstatt und durch das Edith-Stein-Archiv.
















5. Leben nach den Räten des Evangliums

Unser Leben in der Nachfolge Christi "in obsequio Jesu Christi" findet einen konkreten Ausdruck im Leben nach den evangelischen Räten, die wir gemäß unserer Regel geloben:

"(Dem Prior) sollen die anderen Gehorsam, ehelose Keuschheit und Armut versprechen und sich bestreben, ihr Versprechen in der Tat (Vgl. 1 Joh 3,18) zu erfüllen (RCarm 1)."

  • Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen

" Ich habe euch Freunde genannt, denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe; Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, daß ihr euch aufmacht und Frucht bringt, und daß eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Bleibt in meiner Liebe (Vgl. Joh 15, 12-17)."

Die Ehelosigkeit ist die Antwort eines Menschen, der sich so tief von Gottes Liebe ergriffen und erfüllt weiß, daß er ihm sein ganzes Leben restlos und ohne Vorbehalte schenken möchte. Der Verzicht auf eine eheliche Gemeinschaft ist die konsequente Folge der radikalen Hingabe des Menschen an Gott.

"Nur Gott kann eines Menschen Hingabe ganz empfangen und so empfangen, daß der Mensch seine Seele nicht verliert, sondern gewinnt. Und nur Gott kann sich einem Menschen so schenken, daß er dessen ganzes Wesen ausfüllt (Edith Stein, Die Frau,11)."

Ehelosigkeit meint nicht "Beziehungslosigkeit", sondern umfaßt eine intensive ganzheitliche Beziehung des Menschen zu Gott und den Menschen.
Sie ist Antwort der Liebe und bleibt als solche ein Mysterium. Das Mysterium der Liebesbeziehung Gottes mit dem Menschen wurde in der Hl. Schrift und bei den Vätern oft mit dem Bild der "Brautschaft" und des Bundes umschrieben.

"Wie der junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt, so vermählt sich mit dir dein Erbauer. Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich (Jes 62,5)."

Durch das Gelübde der Ehelosigkeit verpflichtet sich die Schwester, Gott die Treue zu halten.









































  • Armut

"Denn ihr wißt, was Jesus unser Herr, in seiner Liebe getan hat: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen (2 Kor 8,)."

Die Schwester entscheidet sich für ein Leben in Armut, Anspruchslosigkeit, Abstand von den irdischen Gütern, Abhängigkeit im Gebrauch der Güter und bei der Verfügung über sie, um Jesus in dieser Grundhaltung zu folgen (Vgl. Konst. 30/31).















Das Loslassen des Eigentums, aber auch in geistiger Hinsicht das Loslassen der eigenen Pläne, Wünsche, Gedanken und Vorstellungen, das Stehen zu den eigenen Grenzen und Schwächen macht die Schwester leer, empfänglich und aufnahmebereit für Gott. Sie wird mit einer inneren Freiheit des Herzens und einer Unabhängigkeit von allen verkehrten Bindungen beschenkt, die sie disponieren, sich immer fester in Gott zu verankern.

"Wo Dein Schatz ist, dort wird auch Dein Herz sein (Vgl. Mt 6,21)."

Daher ist der Verzicht auf materielle Güter lediglich ein Hilfsmittel, um in seinem Herzen frei zu werden für die vorrangige Beziehung zu Gott. Er ist kein Selbstzweck und kein Ziel des karmelitanischen Lebens. Durch das Gelübde der Armut bekundet die Schwester ihre eigenen Prioritäten. Im Vertrauen auf Gottes liebende Vorsehung, möchte sie ihr Leben zuerst dem Reich Gottes widmen:

"Euch aber muß es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen, dann wird euch alles andere dazugegeben (Vgl. Mt 6, 25-34)."


Das Gelübde der Armut ist demnach existenzieller Ausdruck des Vertrauens auf das Getragensein des eigenen Lebens von Gottes Liebe. Es relativiert die eigenen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen und öffnet den Blick auf das bleibende Leben im Reich Gottes. So ist ein Leben in Armut Ausdruck der Hoffnung auf die künftige Herrlichkeit.

"Selig,die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich (Mt 5,3)".




























  • Gehorsam

Durch den Vollzug des Gehorsams möchte die Karmelitin Christus immer ähnlicher werden, "der Gott gleich war, aber nicht daran festhielt, wie Gott zu sein, sondern sich entäußerte und wie ein Sklave wurde und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen. Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz (Vgl. Phil 2,6-8)."

Der Gehorsam umfaßt die Hingabe des eigenen Willens als Opfer seiner selbst an Gott. Im Alltag ist der Vollzug des Gelübdes ein stetes Ringen um die Erkenntnis des Willens Gottes. Dieses besteht im auf-merksamen Hören und Horchen auf Gottes Wort, auf Situationen meines Lebens, auf Begegnungen mit Mitmenschen, und nicht zuletzt im Hören aufdas Wort der Priorin, der die Entschiedungsbefugnis zu-kommt, und auf die im Konventkapitel getroffenen Entscheidungen.




















Der Grundhaltung des Horchens entspricht die Umsetzung des Ge-hörten in der Tat, entspricht also das Ge-horchen. Der Gehorsam ist ein aktives und verantwortungsvolles Geschehen, ein lebenslanger dialogisch geführter Prozeß, der zwar den Bereich der individuellen Wahlmöglichkeiten einschränkt, aber durch das je neue Loslassen des Eigenwillens zu großer innerer Freiheit führt.Die Schwester verspricht durch die Form eines öffentlichen Gelübdes, diese drei Räte des Evangeliums durch das Zeugnis ihres Lebens zu verwirklichen. Einer endgültigen Bindung gehen verschiedene Stufen der Prüfung und Eingliederung voraus:
  • ein Jahr Postulat (Prüfung der Berufung zum Ordenslebens)
  • zwei Jahre Noviziat
  • drei Jahre zeitliche Profeß.

Erst nach Ablauf einer Probezeit von insgesamt sechs Jahren, in der die junge Schwester prüfen kann, ob sie in der Lage ist, die evangelischen Räte als Karmelitin zu leben, kann sie sich auf Lebenszeit an diese Lebensform binden.


















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