LITURGIE UND GEBET



"Die Berufung der Unbeschuhten Karmelitinnen ist in ihrem Wesen kirchlich und apostolisch. Das Apostolat, dem sich nach dem Willen der hl. Teresa ihre Töchter widmen sollen, ist rein kontemplativ; es besteht im Gebet und in der Hingabe mit der Kirche und für die Kirche und schließt jede Art von aktivem Apostolat aus (Konst. 1991, 126.)."















Stellvertretend tragen wir alle Anliegen, die in unser Gebet gegeben werden vor Gott hin.
Betende Existenz in der Gegenwart Gottes sein - heißt: Leben aus dem nackten Glauben.
Durch den Dienst des Gebetes nimmt die Karmelitin am Erlösungsgeschehen des gesamten Kosmos durch Christus teil. Dabei verbindet sie sich weltweit beim Vollzug der "Liturgia horarum" (des Stundengebetes) und des "inneren Gebetes (der Betrachtung) in besonderer Weise mit dem mystischen Leib Christi und der Ortskirche.











Liturgia Horarum - Stundengebet


"Wer die kanonische Tagzeiten mit den Klerikern zu beten versteht, soll sie nach der Anordnung der hl. Väter und der von der Kirche gutgeheißenen Gewohnheit beten (RCarm 7)."
Die Karmeliten zur Zeit Teresas hatten einen eigenen liturgischen Ritus und ein eigenes Ordensbrevier. Im Zuge der Trennung von den "Beschuhten Karmeliten" übernahm Teresa 1581 für ihren Reformzweig das "Römische Stundengebet", heute bestehend aus Laudes, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet und Matutin. Die Namen der einzelnen Horen geben die Uhrzeit bzw. den Charakter der Hore an.
















Sie sind auf verschiedene Zeiten des Tages verteilt, um auf diese Weise den Blick des Beters je neu auf Gott auszurichten, ihn zu erinnern, in der Gegenwart Gottes zu leben. So unterbrechen die einzelnen Gebetszeiten bewußt den Alltag, um durch die Unterbrechung auf das "eine Notwendige" hinzuweisen.
Die karmelitanische Liturgie zeichnet sich vor allem durch Nüchternheit aus. Wichtig ist, daß dem Schweigen und dem Gespür für die Gegenwart Gottes angemessen Raum gegeben wird. Der Gesang des Offiziums ist auf die Hymnen und einige Teile von Laudes und Vesper beschränkt. Sonntags, an Festen und an Hochfesten werden Laudes und Vesper nach dem Römischen Antiphonale ganz gesungen. Die übrigen Horen des Offiziums werden rezitiert.
Um den Gläubigen die Teilnahme an unserem Chorgebet zu ermöglichen, übertragen wir vom Chor aus die Vesper (nach Wunsch auch die anderen Horen) in unsere Klosterkirche.














Gebetszeiten






6.00
8.00
11.15
17.30
19.30
21.00
Laudes, Terz
Hl. Messe
Sext/Non
Vesper
Komplet
Matutin

Samstags ist die Heilige Messe um 8.15 Uhr, montags um 17.30 Uhr.

Außergewöhnliche Änderungen der Gebetszeiten werden monatlich auf unserer Seite Aktuelles unserer Homepage und in der Kölner Kirchenzeitung bekanntgegeben.













Oración mental (Betrachtung)

Karmelitanisch- Teresianisches Gebetsverständnis

Der Camino de perfección , der Weg der Vollkommenheit, ist eine Unterweisung im teresianischen Gebet und daher zunächst eine Unterweisung zum rechten Leben und Sein vor und mit Gott. Teresa lehrt keine Methode oder Technik des Betens, sondern sie möchte ihre Schwestern in die lebendige Beziehung mit Gott hineinführen. Daher rät sie
:








"Ich bitte euch nicht, daß ihr euch auf ihn konzentriert, auch nicht, daß ihr große Gedankengänge entwickelt und mit eurem Verstand hohe und feinsinnige Betrachtungen haltet. Ich bitte euch nur um das eine, daß ihr ihn anschaut. Wer hindert euch denn daran, die Augen der Seele auf den Herrn zu richten - und sei es nur für einen Augenblick, wenn ihr nicht mehr fertig bringt (C26,3)!"














Ihre Betrachtungen nehmen keine abstrakten Formen und Theorien an, sondern sind immer biblisch am Leben, Wort und der Person des menschgewordenen Sohnes Gottes, Jesus Christus, orientiert.

"Seht euch ..., wenn ihr allein seid, nach einer Gesellschaft um! Welch könnte da besser sein als die des Meisters selbst, der euch das Gebet gelehrt hat, das ihr verrichten wollt. Stellt euch also den Herrn selbst als gegenwärtig vor und seht, mit welcher Liebe und Demut er euch unterweist! An der Seite eines so guten Freundes sollt ihr überhaupt immer weilen, soweit es euch möglich ist. Gewöhnt euch also daran, Jesus stets bei euch zu haben! (C 26,1)

Im Zentrum ihres Gebetsverständnisses steht der Begriff der "Freundschaft" mit Gott und der aus dieser Freundschaft erwachsenden Liebe.



















Liebe umfaßt in einem grenzenlosen Akt des Vertauens die bedingungslose Hingabe an den Geliebten. Für Teresa ist das Maß der Hingabe und des Loslassens des eigenen Ich ein Spiegel der lebendigen Beziehung zu Gott, deren Ausdruck das Gebet ist.

"Wenn wir uns nicht ganz hingeben, werden wir den Schatz des inneren Gebetes nicht erlangen."

Da für Teresa das Gebet der lebendige Ausdruck einer Liebensbeziehung mit Gott ist, vermag sie tröstend auszurufen:

"Mit anderen Personen redet ihr doch auch, warum sollte es euch dann an Worten fehlen, wenn ihr mit Gott redet? Glaubt doch das nicht! Ich jedenfalls werde es nicht glauben, sofern ihr euch nur angewöhnt, mit Gott zu sprechen. Der mangelnde Umgang ist es doch, der uns einem Menschen entfremdet (C 26,9)."

Eindringlich betont Teresa wie entscheidend wichtig für das Gebetsleben die Einübung der Nächstenliebe, die Losschälung von allen verkehrten Bindungen, das Streben nach innerer Freiheit, Demut, Selbsterkenntnis und entschiedene Entschlossenheit sind. Darunter versteht Teresa einen "Aufschwung des ganzen Wesens zu dem, der uns von uns selbst befreit und uns Sich zuwendet. So verstanden ist der Entschluß eine Zuwendung zu Gott und schließt eine Haltung reiner, selbstloser Liebe mit ein."

"Ich sage es nochmals: allein mit Gebet und Beschauung könnt ihr euer Fundament nicht legen. Wenn ihr nicht nach Tugenden trachtet und euch nicht tätig darin übt, werdet ihr immer Zwerge bleiben (CVII 4-V)."

Teresas Beten ist Lieben; konkreter Vollzug von Gottes- und Nächstenliebe! Als Ausdruck der Liebe hat das Gebet eine apostolische Dimension, die die gesamte Schöpfung umfaßt.

"Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes (Vgl. Röm 8,21f)."

Betroffen von den Ereignissen ihrer Zeit (dem Zerbrechen der Einheit der Kirche und der Herausforderung durch die Evangelisierung neuer Länder) möchte Teresa das Leben der Karmelitin, insbesondere ihr Gebetsapostolat, auf den Dienst für die Kirche und das Heil der Seelen ausrichten (Vgl. Konst. 1991, 124-125).

"Ich denke mir, daß uns doch offensichtlich schon unsere Natur zum Mitleiden anregen würde, wenn wir jemanden, den wir gern haben, hier eine Not oder ein Leid, insbesondere wenn sie groß sind, durchmachen sähen, und wenn es groß ist, dann bedrängt es uns. Und nun eine Seele ohne Ende in der allerschlimmsten Not zu sehen, wer könnte das ertragen? Es gibt kein Herz, das so etwas ohne großen Schmerz aushält (V32, 6)."





 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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